Warum Software nie gut genug sein kann, Teil 3.

In den ersten beiden Teilen unserer kleinen Software-Reihe haben wir uns mit Skobbler und einem Radiowecker beschäftigt.

Heute soll es um’s Lesen gehen. Wer viel im Netz liest, kommt über kurz oder lang nicht um Dienste wie Instapaper, Readability oder ReaditLater 1 herum.

Diese Dienste nehmen Websites (oder ganz allgemein: Texte) entgegen und bereiten diese gegebenenfalls für das stressfreie Lesen auf. Werbung und anderer Kladderadatsch werden ausgeblendet und der Text wird mit einer gut leserlichen Schrift dargestellt 2.

Kurz: Diese Apps wollen das Lesen wieder einfach machen, der Text soll im Mittelpunkt stehen. Natürlich möchte man auch gerne den Text per E-Mail oder sonst wie weiter zu versenden oder im Browser zu öffnen. Weil es unter iOS abseits von URI-Schemes noch immer keine vernünftige Methode gibt, Apps untereinander zu verknüpfen, ist letzteres — die Seite im Browser zu öffnen — in meinem Workflow oft das Mittel der Wahl. Von dort geht es dann per Bookmarklet weiter 3.

Aber schauen wir mal auf Instapaper. Wenn ich Gerrits Windows-8-Artikel nun weiter leiten will, begrüsst mich nach Tipp auf den »Share«-Pfeil folgendes Menü:

Instapaper auf dem iPhone

Instapaper auf dem iPhone

Ich persönlich finde es seltsam, dass die ersten beiden Einträge sich mit dem Löschen beziehungsweise Archivieren des Texts beschäftigen. Das genau will ich doch gerade nicht. Weiterhin finde ich es komisch, dass knapp der halbe Bildschirm noch frei und ungenutzt ist. Und drittens: Warum brauche ich für die Kernfunktion des Menüs — den Artikel weiter zu leiten — einen zweiten Klick auf einen Button, der mitten drin steht und auch nicht hervorgehoben ist? Erst nach nochmaligem Tipp auf »Share…« kann ich mich dann entscheiden, den Text in Safari zu öffnen, einen Link oder den Volltext per E-Mail zu versenden, ihn an Twitter zu schicken und so weiter. In diesem zweiten Share-Menü gibt es auch einen Einstellungsdialog, aber der betrifft nicht nur die verknüpften Accounts.

Viel sinnvoller wäre es, wenn man wählen könnte, welche der Optionen direkt auf der ersten Seite nach Tipp auf den »Share«-Pfeil stünden. Man nutzt doch ohnehin die meiste Zeit die gleichen Sachen, warum muss man sich dazu durch Menüs vorkämpfen?

Das konterkariert den Zweck der App: Sich auf das wesentliche zu beschränken und alles einfach und schnell zu halten.

Es würde besser und schneller funktionieren, wenn es ein paar fest platzierte Buttons und Gesten 4 gäbe: So könnten am Ende eines Textes vier Optionen / Buttons unterhalb des Textes eingeblendet werden. Diese würden in den Sichtbereich scrollen, wenn man mit dem Lesen fertig ist. Ich wage zu behaupten, dass dann die Chance auf eine Aktion am größten ist: Entweder man will zurück zur Übersicht, den Text archivieren, ihn an eine zu bestimmende Lieblings-App weiter versenden oder in Safari öffnen. Mit diesen vier (oder gerne auch drei, denn zurück zur Übersicht wird permanent unten angezeigt) Buttons wäre doch das Grundproblem schon gelöst.

Und gäbe es dann noch Gesten5, wäre mein Lesealltag in Instapaper nochmals ein gutes Stück schneller.

  1. RiL kann ich nicht empfehlen. Warum, habe ich hier schon beschrieben.
  2. Nun, zumindest meist. Instapaper hängt da leider noch etwas hinterher, aber Entwickler Marco Arment hat angekündigt, daran schon länger zu arbeiten
  3. Ohja, es ist kompliziert, dauert lange, lädt den Content doppelt und kotzt mich auch an.
  4. Komplett unverständlich ist mir beispielsweise auch, warum die Ansicht nicht nach oben scrollt, wenn man oben auf den Bildschirm / die Statusleiste tippt. Das funktioniert fast überall so.
  5. Beispielsweise nach links wischen, um zur Liste zurück zu kommen und nach rechts, um den Text weiter zu schicken oder wahlweise in Safari zu öffnen.

Ein Gedanke zu „Warum Software nie gut genug sein kann, Teil 3.

  1. Und ich dachte das neue Instapaper wäre nahezu perfekt :)

    Die meisten angesprochenen Punkte stören mich nicht wirklich. Allerdings sind Gesten und Fonts wirklich verbesserungswürdig. Als einen weiteren Punkt würde ich gerne den ‚tilt‘ Button in der Mitte der Leseansicht durch eine Option fürs schnelle Archivieren ersetzt haben (tilt/pagination ist für mich wie Caps-Lock).

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