Warum Software nie gut genug sein kann, Teil 1.

Jeder professionelle Nutzer verbringt am Tag mehrere Stunden mit der Bedienung von Software, also Programmen auf einem technischen Gerät, die irgend eine Aufgabe erledigen sollen.

Und je professioneller und länger man das tut, desto höher werden die eigenen Ansprüche an eben diese Software. Power-User kennen und wissen das: Das Keyboard ist schneller als die Maus, Tastenkombinationen, Textersetzungen und / oder Makros können wertvolle Sekunden sparen, die sich im Laufe eines Tages addieren.

Dummerweise funktionieren diese Poweruser-Tricks bei mobilen Geräten wie dem iPhone nur sehr eingeschränkt. Erstens, weil es keine festen Tasten oder gar Tastenkombinationen gibt. Zweitens, weil Apps mögliche Funktionen nur über die GUI-Ebene anbieten und die Bedienbarkeit per Befehl weitestgehend wegfällt 1. Somit gilt, dass alle Nutzer mehr oder weniger die gleichen Tippwege auf sich nehmen müssen, um zum Ziel zu kommen.

Im Umkehrschluss gilt hier wiederum, dass die Softwareentwickler extra viel Arbeit in die Optimierung dieser Tippwege stecken sollten, denn jeder Klick im Interface ist im Zweifelsfall einer zu viel. Ich möchte nun stellvertretend drei Beispiele geben, wo diese Interaktionen misslungen sind oder deutlich verbessert werden müssten. Im heutigen Beitrag geht es um…

Skobbler

Skobbler ist eine Navi-Software auf OpenStreeMap-Basis, die — meinen Erfahrungen nach — zumindest in den Niederlanden sehr gut funktioniert. Deshalb benutze ich sie eigentlich gerne. Da OSM aber von Hause aus nie gut genug sein kann, kann und sollte jeder das vorhandene Material weiter entwickeln. Das wissen auch die Entwickler von Skobbler und haben eine Bugreport-Funktion in Ihre Software eingebaut. Das Interface während der Fahrt sieht so aus:


Skobbler während der Fahrt

Skobbler während der Fahrt auf dem iPhone

Erste Frage: Was von den hier gezeigten Elemente dienen der Bedienung und was dient der Anzeige von Informationen?
Wer nun denkt, dass alle vier oder auch fünf Buttons oben klickbar sind, liegt falsch. Tatsächlich ist nur das blaue Zahnrad und der Bug-Marienkäfer rechts klickbar. Die 100 links und das grüne GPS geben lediglich aktuelle Infos an: Hier darf maximal 100km/h gefahren werden und der GPS-Empfang zur Zeit ist gut.

Da sind wir schon beim ersten Problem. Während der Fahrt darf man das Navi ohnehin nicht bedienen, aber wollte man es trotzdem tun, müsste man per Trail und Error herausfinden, was zu tun und wo zu tippen ist 2. Stellt man nun während der Fahrt fest, dass die Routenführung oder Strecke nicht korrekt im Programm erfasst ist, könnte man dies als netter Mensch melden und einen Bug filen.

Zweite Frage: Wie soll das während der Fahrt funktionieren? Antwort: Überhaupt nicht. Beim Fahren konzentriert man sich auf die Strecke und sonst nichts. Doch Skobbler fragt nach Klick auf den Käfer allen ernstes, welchen Typ Bug man denn zu melden hätte und fordert im zweiten Schritt noch detaillierte Informationen an, ohne die der Bug nicht behoben werden könnte. Meine Herren Softwareentwickler: Wie soll dass denn gehen? Ich glaube nicht, dass auf diese Art und Weise viele sinnvolle Bugreports zu Stande kommen 3.

Warum nicht so: Klickt der Nutzer auf den Bug-Käfer, bekommt er eine optische (und akustische) Meldung, dass diese Eingabe registriert wurde. Weiterhin passiert dann gar nichts. Ist der Nutzer an seinem Ziel angekommen oder startet er die Navi-App erneut, fährt er in der Regel nicht mehr und kann sich seine Aufmerksamkeit dann von der Straße weg aufs iPhone richten. Und dann müsste Skobbler ihn fragen:

Hey, du hattest hier doch einen Bug. Weißt du noch? Das war an dieser GPS-Position, so sieht das auf der Karte aus, du hast dich von hier nach dort navigieren lassen, warst in dieser Fahrtrichtung zwischen den Abfahrten / Navigationspunkten foo und bar mit dieser Geschwindigkeit unterwegs.

Und jetzt sag‘ mal an, was war der Bug …

Ich bin mir sicher, dass auf diese Art und Weise mehr sinnvolle Bugreports eingestellt würden und sich das Kartenmaterial dadurch wieder für alle Nutzer verbessern würde. Ich persönlich hätte sicherlich schon fünf Bugs gemeldet.

Was meint ihr dazu? Könnt ihr die Kritik nachvollziehen oder bin ich zu kleinkariert? :)

  1. Hier könnte man für Fingergesten argumentieren, und in der Tat gibt es dadurch ja einige Shortcuts; beispielsweise führt »Swipe-to-Delete«, ein Wischer von Links nach Rechts auf einem Element, fast immer zur Löschung desselben. Solche Gesten sind aber die Ausnahme und auf kleinen Handy-Bildschirmen ohnehin nur sehr begrenzt umzusetzen.
  2. Fairerweise muss man sagen, dass die komplette Bildschirmfläche klickbar ist und dies dann ins Hauptmenü führt. Gleiches passiert auch bei einem Klick auf das Zahnrad; die Funktion, ins Menü zu kommen, ist also redundant vorhanden. Andererseits kann man sich dann fragen, wozu das Zahnrad dann überhaupt vorhanden ist.
  3. Zu allem Überfluss muss das iPhone dazu auch noch online sein, was ja gerade bei (Urlaubs)reisen in andere Länder nicht der Fall ist.