Über die Apple Watch, Preisgestaltung und teure Uhren

Gestern hat Apple die Apple Watch vorgestellt, die lange erwartete Smartwatch des Herstellers. Apple dringt damit endgültig in Luxus-Sphären vor. Waren die Aufpreise bei den Telefonen vorher schon recht happig, kommt man bei der Apple Watch nicht umhin, wirklich zwei Mal hinzusehen, ob die Preise wirklich echt sind. Doch der Reihe nach.

Um die Funktionen und das Design der Uhr soll es hier gar nicht gehen; Infos dazu kann man zur Zeit an jeder Ecke nachlesen. Ich möchte mich mit den Preisen für die Uhren auseinander setzen.

Die im vergangenen Herbst erstmalig präsentierte Uhr ist in drei Modellen mit jeweils zwei Größen zu haben: Apple Watch Sport, Apple Watch und Apple Watch Edition. So weit, so bekannt.
Wirklich neu bei der Apple Watch ist die Diversifikation über verschiedene Materialien und das (unverzichtbare) Zubehör, die Armbänder. Darüber hinaus gibt es von der Apple-Uhr so viele Varianten wie von keinem anderen Apple-Produkt vorher: Insgesamt 38 Varianten lassen sich vorbestellen. War es bei anderen Apple-Produkten bisher so, dass diese sich durch Leistungsfähigkeit (Rechner: Mehr RAM, schnellere CPU, besseres Display, größere SSD) oder den reinen Speicher (iPad, iPhone, iPod) oder eines dieser Merkmale in Kombination mit der Größe (Rechner, iPad, iPhone, iPod) unterschieden haben, ist dies bei der Watch kaum noch mehr der Fall. Die Preisunterschiede für die zwei Größen der Uhr sind durchweg fast schon vernachlässigbar, liegen sie doch stets nur bei 50€. Die Funktionalität ist jedoch bei allen Uhren exakt gleich, es gibt keinen Unterschied bei Funktionen, Speicher, Akkulaufzeit oder dergleichen: Ob die Uhr

nun 399€ oder 17.000€ kostet: Sie kann das Gleiche und sieht ähnlich aus.

Nun sind hohe Preise bei Armbanduhren von jeher kein Kauf-Hindernis, ganz im Gegenteil. Man kann auch leicht 17.000€ für eine Uhr eines beispielsweise deutschen oder Schweizer Herstellers ausgeben; überhaupt kein Problem. Die Liste der möglichen Hersteller hier ist lang: IWC, Rolex, Patek Philippe, A. Lange und Söhne, Nomos Glashütte, Vacheron Constantin, … um nur einige zu nennen. Hier findet man etwas für jeden Geschmack bei entsprechendem Geldbeutel. Und 17.000€ sind hier für einige dieser Hersteller eine eher günstige Messgröße. Insofern zieht das plumpe Argument des überteuerten Preises, welches einige Kritiker vorbringen, bei der Watch nicht. Man kauft sich keine teure Uhr, um die Zeit darauf ablesen zu können; die gibt es billig an jeder Ecke. Zudem bekommt man auch um den Preis von einhundert Euro eine Uhr mit Funk und Solar, die ebenfalls in 10 Jahren noch funktionieren wird, die immer genau und der nie der Saft ausgehen wird.
Für einen hohen Preis bekommt man also rein rational keine sehr genaue, funktionale oder robuste Uhr. Man gibt also das Zehn- bis Hundertfache für die Luxusausführung einer Ware aus, die nüchtern gesehen nicht mehr kann als eine günstige. Warum kauft man sich denn dann überhaupt eine solch teure Uhr?

Man kauft Sie sich als Schmuckstück, als etwas, was man sich verdient hat und möchte Sie möglichst lange tragen und vielleicht sogar weiter geben. Idealerweise bekommt man sie vielleicht sogar geschenkt. Im besten Fall verliert die Uhr über lange Jahre nicht an Wert, sondern steigt sogar. Warum? Weil teure Manufaktur-Uhren einzigartige Kombinationen aus handwerklichem Können und oft zeitlosem Design sind und in der Regel ein Automatikwerk haben, bei dem man jede verbaute Komponente auch noch in 20 Jahren wird warten und tauschen können. In diesen Uhren stecken viele Stunden handwerklicher Arbeit und der Preis steigt mit der Anzahl der Komplikationen, der Fertigung und Veredelung, die einer Uhr zuteil werden.

Genau hier sehe ich ein Problem: Bei der Apple Watch ist der fürstliche Aufpreis des Edition-Modells nur gering vom Materialwert, etwaigen Komplikationen, inneren Werten oder Finishing abgedeckt: Das Innenleben der Uhr ist ja das Gleiche und auch rein elektronisch. Sicher, das Gold ist teuer und auch die Armbänder werden müssen eine entsprechende Qualität haben. Aber rein technisch wird die Uhr trotzdem in ein bis zwei Jahren obsolet sein. Dazu kommt, dass die erste Generation von Apple-Technik in der Regel noch schneller obsolet als die nachfolgenden wird.

Um das festzustellen, muss man kein Technik-Experte sein. Die Produktlebenszyklen sind zwar je nach Gerät etwas unterschiedlich, aber alleine schon aus dem Grund, dass die Apple Watch nur mit einem iPhone funktionieren wird, kann geschlossen werden, dass beide halbwegs aktuell gehalten werden wollen.

Mit der Rationalität in Sachen Preis hört es übrigens auch schnell wieder beim Aufpreis von 7.000€ (11.000€ zu 18.000€)für ein anderes Armband, welches es natürlich auch nicht einzeln zu kaufen gibt, auf. Das ist schlicht nicht mehr verargumentierbar, sondern pures Status- und Luxusgehabe. Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit seinem Geld, kauft man sich eben die teuerste Apple Watch mit dem teuersten Armband. Total egal, was sie kostet und wie hoch der Aufpreis ist: Ich habe Sie, du nicht. Ätsch. Get Rich or die tryin.

In eine ähnliche Kerbe schlagen teilweise auch die Preise für die Armbänder. Während sehr hochwertige Shell-Cordovan-Leder-Armbänder für Uhren der Marke Nomos um die 60 Euro kosten, will Apple für ein modernes Lederarmband 269 Euro und für Gliederarband aus Metall 499 Euro sehen. Das elegante Milanaise-Band ist da für 169 Euro fast ein Schnäppchen. Man kann nur hoffen, dass sich die Bänder auch an zukünftigen Generationen der Uhr werden befestigen lassen.

Um sich aus dem Dilemma des puren Luxus-Aufpreises zu befreien, könnte Apple bei der nächsten Iteration einen Austausch- oder Upgrade-Service für die Uhren anbieten: Für, sagen wir, 300 Euro bekommt jeder Käufer einer Apple Watch oder Apple Watch Edition dann das neueste technische Innenleben in seine Uhr verpflanzt. Für die günstige Apple Watch Sport gilt das natürlich nicht bzw ist es unattraktiv. Im Pricing ist Apple ja schon immer Weltklasse gewesen. Mit dem Upgrade würde Apple auch die Early Adopter bei der Stange halten.

Möchte man allerdings pokern, könnte sich der Kauf der teuersten Apple Watch vielleicht doch lohnen, aber nur, wenn man sie für längere Zeit verschweißt und ungetragen im Schrank liegen lässt: Bei eBay erreichen neue Erstgenerations-Modelle — insbesondere von iPods und iPhones — regelmäßig Höchstpreise, die nicht selten dem zwei- oder dreifachen des damaligen Originalpreises entsprechen. Zugegeben, diese Wette ist eine teure. Aber wenn die originalverschweißte Apple Watch in 10 Jahren dann 34.000€ wert ist, ist das doch auch kein schlechter Deal.

3 Gedanken zu „Über die Apple Watch, Preisgestaltung und teure Uhren

  1. Meiner Meinung nach sollte eine Uhr die Uhrzeit anzeigen können und mehr nicht. Diese ganzen Spielereien gefallen mir überhaupt nicht, ganz abgesehen von dem Design. Daher, Uhr bleibt Uhr.

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