Ubuntu für Smartphones — keine gute Idee.

Nach langer Zeit nun ein kurzer Beitrag:

Ubuntu für Smartphones halte ich für keine gute, vielmehr eine unnötige, ja kontraproduktive Idee.

Es wird auf Grund der Tatsache, dass es auf Ubuntu für den Desktop basiert, auch dessen Ideen und Infrastruktur mitbringen. Ubuntu-Tollfinder wird das freuen, die stellen aber nicht den Wachstumsmarkt dar, den man für ein fortwährendes Ökosystem und die Weiterentwicklung der Plattform und Hardware braucht.
Auch die Funktion zur Padfone-mäßigen Aufrüstung zu einem Desktop dürfte nur Spezialisten locken.

Auf App-Basis sehe ich nicht das Potenzial für einen weiteren Player. Und für einen weiteren halbfertigen HTML5-App-Unterbau mit inkompatibler eigener Nativ-App-Struktur gibt es keinen Bedarf – Firefox OS, WebOS und Tizen lassen grüßen.

Unbuntu für Smartphones wird also, so es denn über den Nischen-Status hinaus wächst, die mobilen Plattformen nur noch weiter zersplittern, was die Entwicklung von Anwendungen nur noch komplexer als ohnehin schon macht.

4 Gedanken zu „Ubuntu für Smartphones — keine gute Idee.

  1. Hi Martin,

    ehrlich gesagt finde ich deinen Post oben ziemlich arm. Du findest es nicht gut. Schön, das ist eine vertretbare Meinung. Deine Argumente aber sind nur oberflächliches Gejammer. Aber einmal ins Detail:

    „Es wird auf Grund der Tatsache, dass es auf Ubuntu für den Desktop basiert, auch dessen Ideen und Infrastruktur mitbringen.“
    Ist das jetzt gut oder schlecht? Mal davon abgesehen, dass das nur die halbe Wahrheit ist). Irgendwie nimmst du keinen Bezug mehr darauf, sondern sprichst nur von irgendwelchen Ubuntu-Tollfindern… Ob diese nun die Zielgruppe für Canonical und Retailer darstellt, wage ich stark zu bezweifeln. So what?

    „Auch die Funktion zur Padfone-mäßigen Aufrüstung zu einem Desktop dürfte nur Spezialisten locken.“
    Auf welchen Erkenntnissen beruht diese Aussage oder ist es doch eher eine Meinung? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in ein paar Jahren der Consumer-Desktop/Laptop ausgedient hat und wir unsere mobilen Devices nur auf größere Bildschirme erweitern + Tastatur. Für Filme, Word, Web etc. reicht die Power schon heute aus.

    „Auf App-Basis sehe ich nicht das Potenzial für einen weiteren Player.“
    Deine Begründung dafür magst du nicht mit uns teilen? Wer sagt denn, dass Android-Apps nicht auch OOTB laufen können?

    „Ubuntu für Smartphones wird also, so es denn über den Nischen-Status hinaus wächst, die mobilen Plattformen nur noch weiter zersplittern, was die Entwicklung von Anwendungen nur noch komplexer als ohnehin schon macht.“
    Das hört sich für mich leider zu sehr nach a) einem genervten Entwickler an oder b) einem indoktrinierten Großherstellerfan. Such dir was aus ;-)
    Ich denke, Vielfalt beflügelt immer, regt an, beschleunigt Innovationen, verbessert Produkte. Was man letztendlich nutzen möchte, kann immer noch jeder selbst entscheiden. Deshalb muss man aber niemand bevormunden. Wenn ich heute auf den Browsermarkt schaue, habe ich so viele und gute Produkte wie noch nie und es haben sich echte Standards etabliert. Die besten Features werden von allen rasant adaptiert.

    Ob ich Ubuntu for Smartphones gut finde, weiß ich noch nicht. Vielleicht verschwindet es auch schnell wieder vom Markt. Aber wer weiß, was es an Innovationen bringt und was sich andere davon abschauen können. Also bitte etwas mehr Offenheit und weniger Pauschalisierungen.

  2. Hallo Veit,

    etwas mehr Details jetzt hier. Ich habe den Artikel schnell auf dem Handy getippt, deshalb ist er auch so kurz und hat nur einen Link. Aber nun gut:

    Der Absatz zu den Ideen und Infrastruktur bezieht sich auf die Oberfläche und das Ökosystem. Prinzipiell ist gegen eine gewisse Konvergenz nichts einzuwenden, aber im Fall von Ubuntu sehe ich das eher negativ. Canonical wird damit eher — wie schon gesagt — Fans des Systems anziehen und kaum neue Nutzer gewinnen können. Für Enterprise-Kunden sehe ich auch keine Veranlassung, zu wechseln. Wer mail-geil ist, hat weiterhin einen Blackberry, für die anderen gibt’s iOS, vielleicht Windows Phone 8 und eventuell auch Android.

    Weiterhin befürchte ich, aber das wird sich erst zeigen müssen, dass das mobile Ubuntu zu verkopft wird und *zu sehr* dem klassischen Ubuntu entspricht. Mark Shuttleworth hat vor kurzer Zeit folgendes geschrieben:

    […] having the same core tools and libraries from your phone to your desktop to your server and your cloud instances makes life infinitely easier […]

    Das heißt für mich, dass der postulierte Vorteil des mobilen Ubutntu ist, dass es im Grunde ein PC werden soll. Und genau das halte ich nicht für einen Vorteil.

    Zur Padfone-Problematik: Auch ich glaube, das Rechner und Laptops mit heutigen Funktionen mehr und mehr zu einem Relikt für Power-User werden. In ein paar Jahren wird der Durchschnittsnutzer keinen „alten“ Rechner mehr haben wollen. Dateisystem, Viren, Programm-Updates? Alles viel zu kompliziert.

    Geräte wie das Padfone oder das Motorola Atrix sind genau deshalb ein Nerd-Spielzeug, weil sie erstens einem vergangenen Zeitalter hinterher hecheln: Ich will eben keinen zu pflegenden PC mehr haben. Zweitens hapert es nach wie vor an guter Umsetzung: Hausgebackene, von „Hand“ optimierte Apps laufen auf dem Handy und angedockt gut, bei fast allem sonst schaut man in die Röhre. Dann hat man entweder die Mobil-Version auf dem großen Schirm oder Darstellungsfehler auf dem kleinen. Und von (fehlenden) Updates will ich gar nicht anfangen…

    Zum fehlenden Potenzial für einen weiteren Player: Du schreibst Wer sagt denn, dass Android-Apps nicht auch OOTB laufen können?

    Mag sein. Gegenfrage: Warum sollte man sich denn dann ein Ubuntu-Phone kaufen, wenn man auch gleich ein Android-Phone kaufen kann? Bei IDG kann man folgendes lesen: Canonical made sure that it can run all device drivers written for Android, which means phones that run Android could also run Ubuntu. Ubuntu klingt für mich nach einem Fork, einem Anklammern, ja einem Mee-Too-Phone.

    Wenn ich heute auf den Browsermarkt schaue, habe ich so viele und gute Produkte wie noch nie und es haben sich echte Standards etabliert.
    Das kann man auch deutlich anders sehen. Ein kleiner Exkurs: Browser-Umgebungen wurde in den letzten fünf Jahren von nur zwei, vielleicht drei Playern getrieben: Google / Apple mit Webkit und Mozilla mit Firefox. Wenn man möchte, kann man noch Opera dazu zählen. Muss man aber nicht. Microsoft beginnt ebenfalls so langsam, aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwachen. Bis heute sind weite Teile dessen, was der Web-Entwickler als „Läuft-schon„-Standard ansieht, eben nicht spezifiziert. Auch mit wenigen Innovatoren kann man es vergeigen. Was auch an der ausufernden PrefixDebatte deutlich sichtbar ist. Es gibt viel Kraut und Rüben und eines fällt wieder über den Tellerrand.

    Ich will dem mobilen Ubuntu nicht die Existenzberechtigung absprechen, Vielfalt an sich ist zu begrüßen. Aber ich sehe für das Produkt keinen Markt und kaum Käufer. Wir werden es sehen.

  3. Hi Martin,

    danke für die Antwort. Aber ich möchte nochmal nachbohren, nicht weil ich nerven sondern verstehen will. Warum siehst du es eine Konvergenz im Backend/Unterbau im Fall von Ubuntu eher negativ? Bei anderen also nicht, bei Ubuntu ist es schlecht? Was Enterprise-Kunden angeht soll uns erstmal egal sein, die Anforderungen konnte bisher nur RIM zufriedenstellend leisten.

    Das Zitat von Shuttleworth finde treffend und die Aussage im Kern richtig: Wieso sollen wir für unterschiedliche Plattformen alles doppelt entwickeln und pflegen und nicht von Synergien profitieren? Von PC sehe ich hier keine Spur, es geht ja darum den gleichen Kernel und OS-Core-Tools (bspw. GNU) zu verwenden (compiler, libraries etc.). Der Unterschied zu iOS, Android und WinPhone ist doch nur, dass mobile nicht ein Fork des Desktopsystems wird, sondern integriert gearbeitet wird. Dass das Handy deshalb eine ganze Desktop-Umgebung laden muss, ist damit ja nicht gemeint. Wobei ich dir recht geben muss ist, dass ich befürchte, die ersten Versionen werden viele „Altlasten“ mitschleppen und vllt. rucklig sein. Aber hey, jeder fängt klein an.

    Zum Thema Padfone/Docking: Der Vegleich mit Tablets und Tastatur oder dem Atrix hinkt doch. Ein mobile-System auf großen Bildschirm ist kein Desktop. Aber das macht Ubuntu auch nicht. Am Dock lädt der reguläre Desktop, mit all dem was an Programmen vorhanden ist. Und genau das halte ich für einen Trend. Warten wir was die big Player dieses Jahr vorstellen werden, Ubuntu war damit schon letztes Jahr in Barcelona.

    Ich meine wir brauchen auch in Zukunft ordentlich große Bildschirme und Tastaturen. Auf Dauer ist das doch angenehmer als Spracheingabe und auf dem Sofa rumliegen, oder nicht?
    Aber vielleicht hast du auch recht und das wird nur ein Lückenfüller wie MiniDisc und wir haben bald alle intelligente Wohnungen und unsere Fenster sind riesige Monitore. Ich würde es dennoch ernst nehmen, denn mit zunehmender Rechenleistung ist es den Geräten schlicht egal und der gemeine Konsument hat eben kein Bock sich um mehrere Geräte zu kümmern.
    Den Hinweis zu Viren und Dateisystem verstehe ich nicht!?

    Um noch ein Wort zu den APKs zu verlieren: warum das Rad neu erfinden. Wir wissen wie schwierig es ist einen ordentlichen App-Bestand aufzubauen. Seit zwei Jahren habe ich es aber nicht mehr erlebt, dass sich wegen verfügbarer Apps jemand zwischen Android und iOS entschieden hat. Das Alleinstellungsmerkmal ist weg. Ich entscheide mich beim Kauf für eine Hardware und ein System, aber nicht für eine App-Ökosystem. Wenn ich die Kacheln von Windows so toll finde, dann kaufe ich das Handy. Kaufentscheidungen sind in der Masse Bauchentscheidungen, für kaufentscheidende USPs sehe ich noch genug Platz.

    Abschließend: ich will für Ubuntu Phone keine Lanze brechen. Aber ich meine abwarten und sich selbst ein Bild davon machen bevor wir etwas totsagen. Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich das größte Problem in der Marktmacht der Anderen. Wie wir wissen gewinnt nicht immer das beste Produkt am Markt.

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