Tanqueray London Dry Gin: Der Gin-Klassiker — Der Gin des Lebens

Wer über Gin schreibt, wer Gin mag, wer Gin probiert, wer sich für Gin oder seine Geschichte interessiert, der wird nicht an Charles Tanqueray und seinen Gins vorbei kommen.

Hier widmen wir uns heute dem wohl klassischsten London Gin1, dem Tanqueray Dry Gin. In Deutschland vielleicht nicht ganz so bekannt, findet man die markante grüne Flasche auf der Insel in jedem Spirituosen-Laden, und das nicht ohne Grund. Der Klassiker ist wirklich ein staple und, man verzeihe mir den Vergleich, der VW Golf der Gins. Außerdem ist der Gin über die Jahrzente schon dutzende Male in verschiedensten Film- und TV-Produktionen zu sehen gewesen.

tjMit diesem Klassiker eckt man nirgends an, er passt fast immer, spielt seine Eigenschaften aber, ähnlich wie der Bombay, am besten in Mix-Getränken aus. Neben einer prima Basis für einen Gin & Tonic macht er sich auch toll in einem Dry Martini. Dennoch: Der Tanqueray ist definitiv ein Premium-Gin, und das schmeckt man schon, wenn man ihn pur trinkt. Er wird in drei verschiedenen Stärken von 40%, 43,1% und 47,3% Alkohol verkauft, im Zweifelsfall lohnt — wie immer — ein Blick auf das Etikett. Ich beziehe mich in meiner Rezension auf die (erstrebenswerte) Version mit 47,3%.

Dennoch sollte man sich vom Gedanken befreien, hier ein Ergebnis erlesener Manufakturkunst vor der Nase zu halten: Der Gin ist (Hallo, Golf-Vergleich!) ein Massenprodukt. Die grüne Flasche mit hohem Wiedererkennungswert und rotem Siegel wurde einer klassischen Cocktail-Shaker nachempfunden.

Statt mit einer kaum aufzählbaren Anzahl von Botanicals zu punkten, bietet der Tanqueray das exakte Gegenteil: Definierter, klassischer Geschmack auf Basis eines angeblich 180 Jahre alten Rezeptes mit einer klaren und kleinen Zahl an aromagebenden Zutaten und 100% Getreidealkohol, Punkt.

Die vierfache Destillation tut ihr übriges, um den Geschmack des Gins abzurunden. Da die Rezeptur geheim gehalten wird, kann man nur mutmaßen, welche Botanicals genau enthalten sind. Je nach Recherche stößt man stets auf Wacholder, Koriandersamen, Angelikawurzel und Süßholzwurzel, in anderen Texten ist zusätzlich noch von Cassiarinde, Zitronen- und Orangenschalen die Rede.

In der Nase zeigt sich der Klassiker trocken, etwas scharf, definiert, eckig und alkoholisch. Es sind allenfalls leichte Wacholder- und Lakritznoten zu riechen, mehr gibt der Gin in diesem Stadium nicht preis.

Im Mund eröffnet sich ein etwas komplexeres Bouquet aus Wacholder, brauner Lakritze und Orange gepaart mit einer angenehmen, frischen Schärfe, die nicht plump und bestimmend ist.

Der Gin hallt lange im Hals nach, vor allem der eisige Zitrus umspielt den Rachen lange, ohne unangenehm zu brennen. Minuten später spürt man noch einen warmen Hauch von Lakritze.

Am Tanqueray London Dry kann man wenig, wahrscheinlich sogar überhaupt nichts, verbessern. Er ist schlichtweg der Gin-Klassiker, mit dem man sich auf keinen Fall vergreift, eben wie ein Golf: Souverän in jeder Situation.

Tanqueray London Dry Gin hat, je nach Version, 40%, 43,1% oder 47,3% Alkohol und kostet rund 21€ (47,3%), beispielsweise bei Amazon.

PS: Wie sich der klassische Tanqueray vom Tanqueray No. Ten unterscheidet, untersuchen wir auch bald an dieser Stelle…

  1. Dies bezieht sich übrigens nicht auf den Herstellungsort, sondern bezieht sich auf das Herstellungsverfahren und die zugrunde liegende Rezeptur.