»Mastered for iTunes«? — Ich bezweifele, dass man einen Unterschied hört.

Apple hat heute den Start von Mastered for iTunes bekanntgegeben. Dabei soll die Musik schon während der Produktion für die Distribution im iTunes Store »optimiert« werden und so noch besser klingeln. Doch wie soll das überhaupt funktionieren?

Die Frage bleibt ja: Inwiefern unterscheidet sich das Mastering für iTunes denn vom Mastering für die »klassische« CD-Produktion?
Kurzer Ausflug in die Aufnahmetechnik: In Studios wird das Signal mit größtmöglicher Qualität aufgezeichnet, oft mit 96.000 Hz @ 24 Bit. (auch 96/24 genannt). Dies stellt sicher, dass jegliches Detail, dass der Mensch auch nur theoretisch im Stande wäre zu hören, auf die Aufnahme gebannt wird.
Auf der CD oder in jedem anderen tauglichen Format wird dies nachher zu 44.100 Hz @ 16 Bit runter gedithert (auch 44/16 genannt), weil es so standardisiert und vor einiger Zeit als ausreichend angesehen wurde.
Sprung zum Kunden: Technisch gesehen sind Kompressionsalgorithmen wie AAC und MP3 darauf ausgerichtet, CD-Qualität nach Red-Book-Standard, also 2-Kanal-LPCM-audio, jeweils mit 16 Bit @ 44100 Hz, wie oben beschrieben, in eine kleine Datei zu bringen; sie sind also als Subset hiervon angelegt; die Eigenschaften der CD zählen als Standard, dem es nahe zu kommen gilt.
Hierbei muss von der »guten« Studioqualität in die »schlechte« Distributionsqualität herunter gerechnet, das Signal also beschnitten werden. Das Vabanquespiel hierbei ist natürlich immer Dateigröße / Qualität. Apple hat nun diesen Prozess nach eigenen Angaben (s. u.) optimiert und behauptet, somit noch mehr Informationen aus dem Originalsignal in die AAC-Datei »pressen« zu können. Dieser Prozess ist meiner Ansicht nach aber nicht speziell auf AAC anzuwenden, sondern könnte auch durchaus bei der normalen CD-Produktion eingesetzt werden.
Wie sich hier ein optimierter Mastering-Prozess »massentauglich« auswirken soll, erschließt sich mir nicht wirklich. Ich behaupte, der Konsument merkt davon nichts, wenn er nicht gerade audiophil ist und entsprechendes Equipment besitzt. Ganz zu schweigen von Art der Musikproduktion, die ohnehin seit Jahren nur auf steigende Loudness ausgerichtet ist.

Genauere Informationen findet man auf Apples Website und im entsprechenden PDF.

Update: »Mastered for iTunes« does not ‘sound closer to the the CD’.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Crossposting eines Artikels, den ich ursprünglich auf Google+ veröffentlicht habe.