Man lebt nicht von Tinte allein

Zur gestrigen Entscheidung HPs, WebOS, PCs und Laptops einzustampfen.

HP hat gestern die Notbremse gezogen. Nicht nur die kosmetische-Neuausrichtungs-Notbremse, sondern die Not-Notbremse. Es wird in Zukunft, und das muss man zwei Mal lesen um es zu verstehen, keine PCs, Laptops, Smartphones oder Tablets aus dem Hause HP mehr geben.

Im PSG-Bereich (PCs, Laptops) erwägt man eine Ausgliederung aus dem Unternehmen. Vielleicht ja unter dem Namen »Compaq«, wie Michael Dell gestern spöttisch angemerkt hat. Für den Endkunden wird das weniger wichtig sein. Dann kauft man sich eben einen PC oder Laptop einer anderen Firma, was soll’s. Kritischer ist es für Firmenkunden und meiner Meinung nach auch für HP selbst, immerhin weltgrößter (!) Notebook- und PC-Hersteller. Firmenkunden mögen langfristige Sicherheit, keine unruhigen Gewässer. HP wird ein massiver Umsatzteil weg brechen, wenn die PC-Sparte nicht mehr gepflegt wird.

Schlimmer für den Markt, scheinbar weniger schlimm für HP, scheint die Einstampfung des Mobil-Betriebssystems WebOS zu sein. Wir erinnern uns: HP hatte WebOS zusammen mit Palm vor nur einem Jahr für 1,2 Milliarden $ übernommen. Der komplette Palm-Konzern ist somit mit dem gestrigen Tag hinfällig geworden.

HP möchte WebOS nicht mehr weiter entwickeln, es möchte keine neue Hardware mehr auf den Markt bringen und die Sache abschließen.

Das noch ziemlich neue TouchPad: Schnee von gestern. Das gerade erschienene Pre3 — bloß nicht kaufen! Das komplette WebOS-Ökosystem: Dem Untergang geweiht.

An dieser Geschichte wird deutlich, dass Software und Hardware aus einem Hause auch erhebliche Nachteile haben können: Hat der Konzern keine Lust mehr, fällt alles flach. Nun ist es ja nicht so, dass WebOS das vorherrschende Mobil-Betriebssystem gewesen ist (ganz im Gegenteil), aber die Meinungen waren immer gut: Potential da, Ideen gut, Hardware OK. So richtig schien sich aber niemand drum gekümmert zu haben, es gab keine nennenswerte Anzahl an Apps, kaum Entwickler und somit auch kaum User. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Solange es keine Apps gibt, entwickelt keiner. Solange keiner entwickelt, gibt es keine Apps. So lange es keine Apps gibt, kauft keiner die Hardware, und so weiter.

Schade und doch absehbar: Als HP Palm übernommen hat, war die Situation mehr oder weniger die gleiche: Damals schon hätte Palm viel mehr Engagement in das Betriebssystem setzen müssen, um es zu etablieren. Und das müssen auch die HP-Analysten gewusst haben. Was haben sie sich in einem Jahr erwartet? Wie hätte es anders kommen sollen?
Was bleibt von einem Jahr WebOS unter HP? Nicht viel. Ein paar lustlos auf den Markt geworfene neue Telefone, ein Tablet, dass nie richtig mit der Konkurrenz mithalten konnte und es nun auch nie können wird.

Ist WebOS noch zu retten? Nein.
Denn auch der Weg über die Veröffentlichung des OS-Quellcodes scheint mir WebOS nicht am Leben zu halten. Eine offene Community kann kein ganzes Betriebssystem pflegen, planen und weiter entwickeln. Und selbst wenn die WebOS-Community diese Aufgabe hinbekäme, wo sollen diese Mods installiert weden? Es gibt ja keine passende Hardware mehr. Kein Hardwarehersteller ist so verrückt, sich auf solche Spielchen einzulassen.

Bleibt unter dem Strich: Nicht viel. WebOS ist tot. So richtig. Momentan noch im Zombie-Stadium, wird es früher als Meego und Symbian komplett weg vom Fenster sein. Ich kann niemandem raten, sich noch WebOS-Hardware zu kaufen oder großen Aufwand in die App-Entwicklung für diese Plattform zu stecken.

Und HP? Womit verdienen die eigentlich jetzt ihr Geld? Nur mit Servern und Druckertinten? Man darf gespannt sein.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Crossposting eines Artikels, den ich ursprünglich auf Google+ veröffentlicht habe.