Black Gin: Das schwarze Loch? — Der Gin des Lebens

Dass es bei Gin einige Kuriositäten gibt, hatte ich ja bereits erwähnt. Dass sich diese auch jenseits des puren Geschmacks widerspiegeln können, wird beim Black Gin der Destillerie Gansloser auf eher seltsame Art sichtbar.

Rein äußerlich fällt dieser Gin durch seine — der Name verrät es — schwarz lackierte Flasche, welche recht aufwändig bedruckt ist, auf. Der Gin selbst ist allerdings farblos.

bjDer Gin wird 1 drei Mal pro Jahr in unterschiedlichen Versionen (Standard, Distillers Cut, Edition 1905) destilliert und die Flaschen sind mit der jeweiligen Jahreszahl versehen2.

Gleich vorweg: Die Destillerie Gansloser ist, nach allem was man so liest, insolvent. Die Firma wurde zwar aufgekauft, aber hinter den Fortbestand der Produktpalette darf man getrost ein großes Fragezeichen setzen. Ebenfalls scheint sich die Geschäftsführung durchaus kreativ verhalten zu haben, was die Zahlung von Rechnungen anging. Wer diesen Gin kaufen möchte, dem möchte ich raten, dies über einen seriösen Zwischenhändler zu tun.

Die Merkwürdigkeiten ziehen sich auch durch die Inhaltsstoffen und Destillation fort. Auf der (momentan abgeschalteten) Homepage des Gin 3 wurde im Selbstinterview mit dem Geschäftsführer davon gesprochen, dass der Gin 74(!) verschiedene Zutaten, darunter Wachholderbeeren, Zitronenzesten, Orangenzesten, Ingwerwurzeln, Koriander und Lorbeeren beheimate und dieser »neuer Gin aus Deutschland […] sich auf dem Weltmarkt etablieren« werde. Das lasse ich mal unkommentiert so stehen.

Einige Leute sehen die Innovationskraft und das Gehabe der Destillerie jedenfalls durchaus anders. Unter anderem in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung wird Enrico Müller zitiert, der angibt, der Black Gin stamme überhaupt nicht von Gansloser, sondern werde von einer Firma in der Nähe von Dortmund für Gansloser produziert. Ob es stimmt, was davon stimmt und ob dies überhaupt einen Einfluss auf die Qualität hätte, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend klären, ich maße mir hierzu auch kein Urteil an.

Doch zurück zum eigentlichen Produkt; dem Black Gin. Wie schmeckt der Gin mit der komischen Vorgeschichte? Nach Ausschank der klaren Flüssigkeit kommen Aromen von sehr frischer Zitrone und Pfefferminze in die Nase. Leider werden diese allerdings etwas von scharfem Reinalkohol-Geruch verdrängt, was die olfaktorischen Freuden doch empfindlich schmälert. Auf der Zunge schmeckt man, passend zum Geruch, recht dominant frischen Zitrus, daneben Wacholder, Koriander, leichte erdige Waldaromen und einen Hauch Pfeffer, all das geht cremig und stimmig ineinander über. Der Nachgeschmack ist langanhaltend frisch und von waldigen Wacholdernoten geprägt. Ingesamt ist das Zusammenspiel und die Komposition zwar stimmig, aber keinesfalls so umwerfend, wie man es auf Grund der gigantischen Anzahl von 74 Zutaten erwarten würde4. Dies verwundert mich dann doch: Zieht man Gins mit ähnlich vielen Botanicals als Vergleich heran, ist das sich dort bietende Aromenspiel deutlich komplexer.

Insofern kann ich andere, sehr positiven Reviews des Gins nicht vollständig nachvollziehen und bleibe etwas verwirrt zurück. Verstehen wir uns nicht falsch: Wir haben es hier nicht mit einem fehlerhaften, klebrigen oder unreinen Produkt zu tun. Der Gin ist einwandfrei trinkbar und ist schon alleine auf Grund seiner besonderen Flasche ein Blickpunkt in jeder Hausbar. Allerdings habe ich durchaus meine Zweifel, ob der Preis hierfür gerechtfertigt ist und ob der gebotene Standard in Sachen Geschmack und Botanicals in Wahrheit so hoch und außergewöhnlich ist, wie es den Anschein haben soll. Hier schließt sich der Kreis zum Namen: Der Gin bleibt, auch auf Grund der oben beschriebenen Anormalitäten, teilweise ein schwarzes Loch.

Der Black Gin hat 45% Alkohol und kostet in der 0,7l-Flasche rund 30 Euro, beispielsweise bei Amazon.

  1. oder vielleicht wurde, hierzu später mehr
  2. Ich beziehe mich in meiner Rezension auf den Black Gin Standard aus dem Jahre 2011.
  3. http://black-gin.de; zur Zeit noch teilweise via Google-Cache erreichbar (2).
  4. Auch hier nochmals der Hinweis: Überprüfen kann die Zusammensetzung oder die Anzahl und Art der Zutaten schlussendlich niemand; man muss dem (insolventen) Hersteller vertrauen.