Apples Adapteritis

Apple-Benutzer sind es gewöhnt, Adapter in der Tasche mit sich herum zu tragen, seit jeher ist das so. Und dennoch ist mit dem iPhone 7 eine Zäsur eingetreten. Ein vormals universal benutzbares Accessoire ist nun nur noch mit iOS-Geräten benutzbar.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Apple-Notebook, ein 12″ iBook G4. Das muss 2004 gewesen sein. Das Notebook hatte alles, was man so brauchte, inklusive Bluetooth und WiFi b/g, bei Apple AirPort genannt. Wollte man allerdings einen externen Monitor anschliessen, ging das nur per Mini-VGA-auf-VGA-Adapter. Und — damals gab es das iBook und das teurere, Alu-PowerBook — wollte man den Bildschirm nicht bloß spiegeln, sondern erweitern, musste man etwas an der Software rumschrauben. Adapter plus künstliche Einschränkung also.

In all den Jahren mit verschiednen Apple-Rechnern gehörten Adapter immer zum Bild. Sei es der erwähnte VGA-Adapter oder das (kostenlos beim iBook enthaltene) USB-Modem1 oder später dann Mini-DVI-auf-DVI, USB-auf-Ethernet, Mini-Displayport-auf-DVI, Mini-Displayport-auf-HDMI, Thunderbold-auf-Ethernet, Thunderbold-auf-FireWire oder komplette Thunderbold-auf-Foo-Docks. Bloss Gardena auf 220V habe ich nie genutzt.

Der neueste Schrei ist nun USB-C, und glaubt man den Anhängern, dann tritt man hiermit nun endlich in das gelobte Adapterland ein. Denn USB-C kann, im Gegensatz zu allen vorher genannten, den Rechner auch mit Strom versorgen und gleichzeitig bidirektional Daten tauschen. Alles über eine einzelne Strippe also. Das ist wirklich toll, wenn es funktioniert. Wenn2.

Die eben genannten sind nur die gängigsten Schnittstellen an portablen und stationären Macs. Schauen wir auf die mobile Apple-Hardware, dann fängt es bei FireWire400 beim ersten iPod an, setzt sich über den 30-Pin-Adapter der neueren Modelle bis zum heutigen Lightning 3 fort. Und hier gab es auch in jedem Evolutionsschritt mehrere Adapter zu jeweils anderen Standards. In der neuesten Inkarnation des iPhones gibt es nun auch den von vielen geliebten Kopfhöreranschluss nicht mehr. 4

Diese Adapteritis hatte früher den Zweck, krasse Änderungen bei Standards weich abzufedern und den Wechsel für Benutzer mit bestehender Alt-Hardware einfacher zu machen. Hatte der erste iMac kein Floppy-Laufwerk mehr, so konnte man es sich doch via USB hinzukaufen, falls man es noch gebraucht hat, gleiches galt für CDs und DVDs, etc pp.

In der Regel ist der von Apple vorher herbeigebrachte Status dann auch in ein paar Jahren im Mainstream angekommen. Niemand nutzt heute mehr Floppy-Disks und auch USB-Sticks sind selten geworden. Exoten wie SCSI und ZIP-Laufwerke sind auch aufgefressen worden. Selbst wenn die Schnittstellen noch aktuell wären, die dahinter liegenden Techniken sind auch obsolet geworden. Doppel-Patt also. In der gleichen Zeit, in der man früher eine ZIP-Diskette in ein Laufwerk geschoben hat, hat man heute diese Daten um den Globus geschickt.

Diese Fortschrittswendung sehe ich bei Apples aktueller Politik aber nicht, da sich viele Standards vermischen und sich teilweise gegenseitig aufheben können. Ein Beispiel: Früher war der USB-Anschluss dem alten Parallel- und Serial-Port deutlich überlegen. Oft mussten keine Treiber installiert werden, die Hardware konnte während des Betriebs gewechselt werden, die Übertragung ging viel schneller, USB war kaskadierbar mit Hubs und vieles mehr. USB war also in allen Bereichen überlegen. Das dumme war allerdings, dass man ja noch diesen sackteuren SCSI-Scanner da stehen hatte. Was tat man? Klar: Einen Adapter kaufen. Und der nächste Scanner war dann womöglich USB und die Sache war gegessen. Ab da an hatte USB also gewonnen und SCSI konnte persönlich beerdigt werden.

Möchte man heute USB-Hardware an aktuelle Apple-Hardware anschliessen, dann klappt das bei Macs, bei iOS-Geräten steht man aber schon recht dumm da. Mit ein bisschen Glück klappt es dann wieder mit einem Adapter, aber auch nicht immer. Das gleiche Dilemma gibt es in anderer Richtung. Was tut man, wenn man von Apple-Hardware Videos auf einen HDMI-Fernseher bringen will? Im besten Fall hat man einen HDMI-Anschluss am Rechner oder ein AirPlay-Gerät an jenen Fernseher angeschlossen. Ansonsten? Hmm. Fürs iPhone braucht man einen Lightning-auf-HDMI-Adapter, okay. Für das neue MacBook? Ach, anderer Adapter. USB-C-auf-HDMI. Noch ziemlich unausgereift? Einfach mal probieren. Für den älteren Laptop? Ah, einen Mini-DP-auf-HDMI-Adapter, klar. Moment… Ka-Ching… Mal eben gekauft. Klar. Braucht man ja eh.

Der grössere Grundgedanke hier ist »All Ports must die«, was auch nachvollziehbar ist und der Schnittstellen-Evolution dient. Irgendwer muss halt man alte Zöpfe abschneiden und Apple ist eben gut und schmerzhaft darin. Sonst bewegt sich ja nie etwas. Niemand will sein Smartphone per LAN-Kabel anschliessen. Das wird allerdings dann zum Problem, wenn die eigene Landschaft so zerklüftet wird, dass sich konkurrierende Standards überlagern. USB-C kann die gleichen Aufgaben wie Thunderbolt übernehmen. Lightning wiederum ein Subset hiervon. Standards subsidieren Standards. Aber Lightning ist eine pure iOS-Schnittstelle und in macOS bisher nicht verfügbar. Und das reißt die Welten wieder unnötig auseinander. Wenn man die Kopfhörer, die mit dem neuen iPhone geliefert werden, nicht mehr an seinem Mac benutzten kann, dann ist das idiotisch. Punkt. Das rührt nicht daher, dass ich der Kopfhörerbuchse nachtrauere, sondern weil es konkurrierende Standards 5 zum gleichen Anwendungszweck auf verschiedener Hardware gibt. Lightning wird hierbei eine besonders tragische Rolle zuteil: Es war seinerzeit der Nachfolder des 30-Pin-Adapters, obwohl sich die OMTP/GSMA Standards-Gruppe bereits 2007 (also etwa zu erscheinen des ersten iPhones, damals noch mit 30-Pin) für Micro-USB als zukünftigen Standard ausgesprochen hatte. USB-C war damals noch nicht in Sicht und so mag es sein, dass Apple sich damals (aus welchen Gründen auch immer; Verdrehsicherheit?) gegen Micro-USB und für einen eigenen Standard entschieden hat. Ein erheblicher Grund hier ist sicherlich auch, das Apple Lizenzgebühren für »MFi«-Produkte 6 kassieren kann. Und wenn man als iPhone-Besitzer Verstand hat und sich Ärger ersparen will, dann kauft man nur MFi-Produkte.

Niemand 7 hat heute mehr einen SCSI-auf-USB-Adapter, weil es auch die Hardware schlicht nicht mehr gibt. Wenn man allerdings von verschiednen Geräten der aktuellen Hardwaregeneration verschiedene Adapter braucht, um zum Ziel zu kommen, dann ist etwas grundlegend schief gelaufen.

Natürlich kann man sich behelfen, indem man viel so schnurlos wie möglich macht, Bluetooth und WiFi sind ja hier sicherlich die beiden verlässlichsten Kandidaten. WiFi ist das neue USB. Bluetooth ist die neue Klinke. WiFi mit HTTP-Protokollstack ist kompatibler und universeller, als es USB je war. Und das funktioniert erstaunlich gut. In unserer neuen Wohnung habe ich kein LAN-Kabel mehr zur Couch gelegt, schlicht weil das WLAN schnell genug ist. Und den neuen Drucker kann ich überall dort hin stellen, wo Strom ist. Daten kommen über die Luft. Easy. Und wenn mehr Daten fliessen müssen, dann ist das meist im Zuge eines grossen Backups, was der Rechner dann über Nacht von selbst erledigt, wenn er am Strom hängt. Da ist es mir dann auch egal, ob das 2 oder 6 Stunden dauert, ich schlafe eh. Kluges Management kann also zu einem Grossteil einige Nachteile drahtloser Schnittstellen revidieren und das ist toll.

Jedoch gibt es auch bei drahtlosen Schnittstellen einigen Nachholbedarf. Es gibt beispielsweise kein universell unterstütztes Format, um Bewegbild via WiFi auf einen TV zu bekommen. Klar, es gibt DLNA und Miracast, dann noch Roku und FireTV und Chromecast und AppleTV, aber kompatibel ist das alles nicht. Und so ist man auch bei funkender Übertragung wieder in der Falle der konkurrierenden Standards. Zuhause mag das kein Problem sein, weil man sich da auf die Sitten der eigenen Geräte einrichten kann. Aber wehe, ein Freund mit Android-Handy kommt vorbei oder man will die neueste House-of-Cards-Folge auf dem Hotel-TV sehen. Dann wird es schon wieder eng und man nimmt im Zweifelsfall ein HDMI-Kabel oder einen FireTV-Stick mit.

So ganz werden wir sie wohl doch nicht los werden, die Adapter. Aber ich halte es für eine gute Idee, Kabel so weit wie möglich zu reduzieren8. Und dennoch habe ich in meiner Laptoptasche ein Micro-USB-Kabel, ein Lightning-Kabel, einen USB-C-Adapter und einen Mini-DP-auf-alles-Adapter. Was denkt ihr darüber?

  1. Hey! Ein gratis Software-Fax! Aber fürs Internet nutze ich schon DSL, danke!
  2. Und gleichzeitig gibt man hier den tollen magnetischen MagSafe-Stecker zugunsten eines alten Designs auf. In dieser Hinsicht ein krasser Rückschritt.
  3. Was ist eigentlich mit dem Smart-Connector. Ist der ernst zu nehmen? Was kann der besser als Lightning?
  4. Ich persönlich vermisse den ehrlich gesagt nicht, es ist bloß eine Frage der Zeit gewesen bis er gekillt wurde. Ich habe vor einiger Zeit schon auf Bluetooth-Kopfhörer gewechselt und es nicht bereut. Und glaubt mir, ihr werdet es auch nicht. Wenn das nächste Paar Kopfhörer kaputt geht, einfach kabellose kaufen. Mit meinen kabellosen Kopfhörern kann ich in die 30 Meter entfernte Kaffeeküche gehen und die Musik wird weiterhin vom Mac gestreamt. Unmöglich mit Kabeln.
  5. Ob man Lightning nun einen Standard nennen mag, sei auch mal dahin gestellt
  6. Made for iPhone. Eine Zertifizierung, die durch ein Logo auf der Verpackung zum Ausdruck gebracht wird. Hierbei wird sicher gestellt, dass diese Produkte einen von Apple gelieferten Lightning-Stecker samt Authentifizierung-Chip haben. Es gibt zwar billige $2-Kabel aus China, aber ob die dann mit dem nächsten Software-Update noch funktionieren, weiss man eben nie und dann kauft man besser gleich das ein paar Euro teurere, weil zertifizierte, Kabel von Anker o.ä.
  7. Ja gut, irgendwer, der 30 Jahre alte Middleware am Leben erhalten muss, schon. Ich erinnere mich auch an einen Parallelport-Dongle, den ich via Ubuntu in eine VM umgeleitet habe, wo er dort dann einem steinalten Windows-2000-Programm zur Verfügung stand. Geht alles. Ist aber hässlich.
  8. Natürlich — es gibt Ausnahmen. Niemand will einen Server über WLAN betreiben oder einen Patienten auf der Intensivstation via Bluetooth beatmen lassen.

3 Gedanken zu „Apples Adapteritis

  1. Hm, ich finde die Adapteritis eher nervig. Ich hatte irgendwann irgendwas-auf-VGA- (für Beamer in der Uni) und irgendwas-auf-DVI-Adapter (für das zweite Display). Beim MacBook Air brauchte ich einen Ethernet-Adapter, damit ich mich an irgendwas hängen konnte, um schnelle und stabile Datenraten zu haben weil WLAN noch zu langsam war (und ist wenn man nicht alles mit halbwegs aktuellen WLAN-Schnittstellen hat). Trotz der Fortschritte beim Wifi sind spätestens bei einem Ein-Familien-Haus wieder Kabel zu ziehen – und von den großen Datenmengen bei Firmen will ich gar nicht reden.
    Letztens hatte ich Probleme mit einer Cisco-Firewall bei der dann im Support-Dokument stand, dass der Break-Character ggf. über einen USB-auf-Seriell-Adapter nicht korrekt übertragen wird. Da ging dann die Suche nach einem Rechner mit seriellem Port los weil der Service-Laptop natürlich nur noch USB hat.
    Und von der Aktion beim MacBook möchte ich gar nicht reden. Ein USB-C-Port. Wenn mein Schreibtisch voll ausgebaut ist (ich also alles anschließe) brauche ich:
    2xwas für externe Displays, min. 2 USB-Ports (und dann handhabe ich alles „feste“ schon über Hubs; ein Hub unter’m Tisch für die externen Platten, Maus an Tastatur, Tastatur an Rechner) und bräuchte mehr falls die nicht festen Sachen dazu kommen (Joypads, Scanner, Retrode, USB-Sticks, Seriell-Adapter), 3.5mm-Klinke für externe Boxen. Aktuell wird das über eine Docking-Station gelöst. Da sind alle Kabel dran. Wenn ich nach Hause komme einklinken und los geht’s. Und die Ports am Laptop sind noch frei für extra Geräte

    Und am Ende hat man mal den Adapter vergessen und kein anderer hat einen dabei. Dann fängt man an über Lösungen nachzudenken, wie man die Powerpoint-Präsentation vom eigenen topmodernen superteuren Laptop auf das 400€-Lowcost-PC-Ding bekommt, das mit VGA- und HDMI-Anschluss daher kommt…

    Ja, die Welt wäre schöner ohne Anschlüsse und Kabel. Aber Apples Lösungen sind aktuell sehr meh. Und bis jetzt hatten sie da imho nur einen guten Griff mit dem Floppy- und vielleicht dem optischen Laufwerk. Optische Medien brauch ich immer noch häufig – weil DVDs preislich eine Menge schlagen. Alles andere war nur so mäßig oder ganz schlimm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.